Purple Haze – Teil 1

Irgendetwas war schief gelaufen. Da waren sich alle einig. Da ich allerdings die Kohle eingesammelt und alle von diesem Geschäft überzeugt hatte, war ich verantwortlich.

Aber zum Anfang. Ich lernte Mustafa auf einer Sauftour kennen. Wir waren auf einer Welle und checkten schnell, dass der andere seine Gelder abseits von Steuerabgaben machte. In den folgenden Monaten machten wir ein paar Geschäfte. Nichts großes. Ein paar Kilo Gras halt.

Wie jeder halbwegs erfolgreiche Dopeticker erzählte Mustafa mir, seine Matte sei richtig geil, top Shit, das beste was man unter dem vom Smog bedeckten Himmel in Berlin bekommen könnte und so nen Zeug halt. Ich kannte das Gequatsche aus der Szene und so war er halt ein weiterer Typ der sich wichtig machen und sein Dope an den Mann bringen wollte. Nichts besonderes. Business as usual. Alles cool.

Eines Tages, ich nahm ihm gerade fünf Kilo irgendeines Hazes ab, zeigte er mir eine von Kristallen glänzende Knolle mit lila Härchen. Er sagte mir, dass wenn ich ihm davon einhundert Kilo abnehmen würde, er mir das Zeug für nen zweier machen könnte. Das bedeutet zwei Euro pro Gramm, Gesamtpreis zweihunderttausend Euro.

Er gab mir gute zehn Gramm davon mit und meinte, ich solle es mir überlegen.

Ich setze so fünfzig bis einhundert Kilo Dope im Monat um, ohne dass es besonders aufregend war. Es gab Zeiten, da habe ich wesentlich mehr gemacht. Und so hat es sich ergeben, dass ich schon damals ziemlich voll hing und auf so ein Geschäft nicht angewiesen war. Fünf Kilo konnte ich sofort an zwei meiner Jungs weiter geben. Bei einhundert müsste ich mir allerdings Gedanken um die Unterbringung machen.

Außer ich würde ein ein paar meiner Kollegen fragen, ob sie mit einsteigen wollen. Ich probierte Mustafas Purple Haze und war high as fuck. Ich wollte das Geschäft machen und bot Rakim, Johnson und Fati das Gramm für nen zwei fünfziger an und fragte ob sie mitmachen wollten. Das war noch immer ein Top-Preis und nachdem sie sich das Zeug angeschaut und getestet hatten, wollten sie, auch wenn es Vorkasse war, dabei sein.

Jeder gab mir zweiundsechszigtausendfünfhundert Euro, ich legte die restlichen zwölftausendfünfhundert rauf und traf mich mit Mustafa im Tauro am Senefelder Platz zum Essen und um ihm das Geld zu geben. Es war in einen DIN A4 Umschlag eingepackt. Hauptsächlich fünfhundert und zweihundert Euro Scheine. Er ging mit der Sporttasche aus Krokodilleder, die ich mitbrachte. Wir verabredeten uns für den Folgetag, Dienstag zwölf Uhr bei Marco, einem meiner Mitarbeiter, Nähe Kotbusser Tor für die Lieferung der Ware. Ich sagte den anderen Bescheid, dass sie zu dreizehn Uhr ihre Leute schicken sollten, um ihren Anteil abzuholen. In der Zwischenzeit würden wir die Ware wiegen, aufteilen und geruchsneutral verpacken.

Ich kam viertel vor zwölf zu Marco. Er saß zusammengekauert auf seinem teilweise aufgerissenem Ledersofa und sah wie immer so aus, als wenn er gerade aufgestanden war. „Was los Dicker? Alles cool?“, fragte ich. „Alles cool.“, antwortete er. Ich gab ihm ein paar Anweisungen, die dazu dienten alles vorzubereiten.

Mustafas Leute sollten zu dritt kommen und das Dope in jeweils ca. 30kg Kisten bringen. Als sie um 12:20 Uhr noch nicht da waren, rief ich Mustafa an. „Der Teilnehmer ist zur Zeit nicht zu erreichen. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.“. „Sie sind sicher gleich da.“, dachte ich. Als sie um 12:35 Uhr noch nicht da waren, rief ich nochmal bei Mustafa an. Handy aus. Ich versuchte es noch einmal. Und noch einmal.

Um 12:45 Uhr rief ich nacheinander Fati, Rakim und Johnson an und sagte ihnen, dass Susi bisher nicht gekommen ist und ich mich später noch einmal bei ihnen melden werde. Auch wenn wir keinen Code ausgemacht hatten, da ich mehr als überzeugt davon war, dass das Geschäft zustande kommen würde, bekam ich von allen dreien eine verständige Bestätigung und sie würden ihren Leuten Bescheid geben, nicht bei Marco vorbei zu kommen.

Nachdem das geklärt war, versuchte ich noch ein paar mal erfolglos bei Mustafa anzurufen. Ich sagte Marco, er solle warten und wenn Mustafas Leute hier aufkreuzen sich umgehend bei mir melden. Wo waren seine Leute?

Mustafa wohnte unweit von Marco entfernt und ich begab mich auf den Weg zu ihm. Bei seiner Haustür angekommen, drückte ich mehrfach auf die Klingel mit seinem Namen. Keine Reaktion. Als Leute das Haus verließen, nutzte ich die offene Tür um es zu betreten. Von Wut beflügelt, flog ich in den dritten Stock und hämmerte wie ein Wahnsinniger gegen die rechte Wohnungstür. Das Gefühl beschissen worden zu sein nahm immer Raum in mir ein und so trat und prügelte ich gegen die Tür, während ich laut Schimpfwörter ausspieh. „Was tun Sie da? Hören Sie auf, oder ich rufe die Polizei!“, ich wussre nicht, wo die alte Dame hergekommen war, die mir plötzlich von hinten drohte. Ich versuchte die Fassung zu gewinnen: „Geh wieder rein und kümmere Dich um Dein Kram Mütterchen.“, sagte ich ihr offensichtlich aussagekräftig genug. Sie machte kehrt und ich hörte, wie sie mehrere Treppen hinunter ging. „Wenn sie jetzt die Bullen ruft, komme ich in Erklärungsnot.“, ging es mir durch den Kopf, „Und mein Problem löst es auch nicht.“. Mustafa schien nicht da zu sein, mindestens tat er so. Ich beschloss zu gehen.

Da ich einen Schlüssel für Marcos Wohnung hatte, verschaffte ich mir Zutritt und öffnete mit Blick auf mein zwanzig Euro Samsung Handy die Tür zu seinem Wohnzimmer. „War jemand da, oder hat sich gemeldet?“, fragte ich die Nummer von Johnson suchend. Aus dem Augenwinkel sah ich Marco auf der Couch sitzen. Keine Antwort. Ich schaute auf und ihn direkt an. Er machte geschäftig mit seiner Hose rum. „Alter, hast Du gerade gewichst?“, fragte ich entrüstet. „Wir erwarten hier jeden Moment einhundert Kilo feinstes Weed und Du hast nichts besseres zu tun, als Dir genüsslich einen von der Palme zu wedeln?“. Er schwieg. Die Hose war mittlerweile wieder geschlossen und er machte mit dem vor sich auf dem Tisch liegenden Spiegel Anstalten, sich eine Nase zu legen. Ich starrte ihn fassungslos an. Nach einem Moment, indem ich ihn gewähren ließ, fragte ich: „Bist Du völlig behindert? Weißt Du mit Deinem Leben nichts besseres anzufangen als zu wichsen und zu koksen?“. Schweigen. Mittlerweile war er regungslos und saß einfach nur da. Ich starrte weiter. „Dicker was erwartest Du von mir?“, fragte er kleinlaut. „Nichts Marco. Ich erwarte gar nichts von Dir.“. Auch wenn er ein passives Stück Scheiße war, so war er mir bisher immer nützlich und konnte nichts für mein Problem.

Ich rief Johnson und die anderen beiden an und sagte ihnen, dass wir uns noch heute Abend treffen müssen.

Fortsetzung folgt.

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